Das Lubinus Clinicum betreibt seit langem ein umfassendes und systematisches Qualitätsmanagement; daher heißt es:
USQM-Lubinus.
Da das Krankenhaus nicht losgelöst vom gesellschaftlichen Umfeld wahrgenommen werden kann, sondern vielmehr auch eine kontinuierliche Anpassung an die regionalen und politischen Veränderungen notwendig ist, erfolgt eine umfassende Beobachtung der Rahmenbedingungen, die auf das Lubinus Clinicum einwirken, und ein Vorantreiben aller nötigen
Anpassungen.
Die aktuellen Umstrukturierungen im Gesundheitswesen führen dazu, dass für eine erfolgreiche und angemessene Patientenbetreuung einerseits immer mehr Informationen erforderlich sind, andererseits bedarf es viel Zeit und Aufwand, die nötigen Informationen zusammenzuführen. Dieser Zeitaufwand soll aber keinesfalls zu Lasten der Patienten gehen. Demzufolge war es eines der wesentlichen Qualitätsziele im Jahre 2006, die Informationen so zu steuern, dass sie, so erforderlich, den Mitarbeitern zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zur Verfügung stehen, unnötige Informationen mithin vermieden werden. Vor diesem Hintergrund erging durch die Klinikleitung an die Mitglieder der QM-Planungsgruppe der Auftrag, Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen und einen entsprechenden Maßnahmenkatalog zu erstellen.
Einerseits kann mit zunehmender Arbeitsverdichtung bekanntermaßen auch die Fehlerwahrscheinlichkeit ansteigen, andererseits umfaßt die Krankenversorgung viele potentiell gefahrgeneigte Tätigkeiten. Diesen Gedanken aufgreifend, wäre es denkbar, dass für Patienten ein höheres Risiko erwachsen könnte, wenn keine diesbezüglichen Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Die umfassende Betrachtungsweise durch das Qualitätsmanagement ermöglicht dem Lubinus Clinicum einen objektivenund offenen Umgang mit möglichen Gefährdungsaspekten. Initiiert wurde daher das laufende Projekt "Risikomanagement durch Einführung eines CIRS-Meldesystems".
Der Begriff CIRS steht dabei für "critical incident reporting system" und meint damit ein Meldesystem, durch das gefährliche Situationen des Arbeits alltags berichtet werden können.
Ziel ist es hierbei, noch nicht erkannte mögliche Gefährdungspotentiale aus der Alltagsroutine so frühzeitig zu identifizieren und mitzuteilen, dass sie nicht zu einer realen Gefahr für Patienten werden können. Diesem Konzept liegt die Erfahrung zugrunde, dass einem gravierenden Schaden in der Regel zuvor etwa zehn entsprechende Beinahezwischenfälle vorangegangen sind. Es wäre also bei Kenntnis des Risikos möglich gewesen, das bedauerliche Ereignis zu verhindern.
Als erste Maßnahme ist CIRS in zwei ausgewählten Abteilungen des Clinicums eingeführt worden, um das System nach einer Erprobungsphase in diesen Pilotabteilungen mit ausreichender Erfahrung und Akzeptanz im gesamten Clinicum zu implementieren.
Die Mitarbeiter haben so die Möglichkeit, auf standardisierte Weise schnell und einfach Meldungen über Gefährdungen von Patienten, Mitarbeitern und Einrichtungen abzugeben. Diese Berichte werden zentral von einem Koordinator gesammelt und
für die folgende Auswertung in den Abteilungen aufbereitet. Anschließend erfolgt in Zusammenarbeit mit speziell geschulten Gruppen eine abteilungsinterne Bewertung der Meldungen und die Planung von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Jede Maßnahme wird einem benannten Mitglied der CIRS-Gruppe zur weiteren Erledigung übertragen. Die endgültige Umsetzung der gefaßten Beschlüsse obliegt den Abteilungen und wird vom Koordinator dokumentiert.
Für den Berichtszeitraum 2007 ist aus den Pilotabteilungen nach entsprechender Information der Mitarbeiter der Eingang von insgesamt 92 Meldungen zu verzeichnen gewesen. Diese wurden in den regelmäßigen Sitzungen zunächst nach einer entsprechenden
Klassifikation drei Dringlichkeitskategorien zugeordnet. Die Eingruppierung erfolgte dabei unter Berücksichtigung von drei
Aspekten eines Ereignisses.
- Wie groß ist die Häufigkeit, mit der ein gemeldeter Fehler eintreten könnte?
- Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fehler entdeckt wird, bevor er zu einem Schaden führen könnte?
- Wie groß wäre der Schaden für den Betroffenen, wenn der gemeldete Sachverhalt eingetreten wäre?
Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien sind von allen gemeldeten Ereignissen 52 der hohen, 24 der mittleren und 16 der niedrigen Dringlichkeitskategorie zugeordnet worden. Alle Meldungen wurden nach Eingang frühestmöglich im verantwortlichen Gremium in 14-tägigem Rhythmus mit den Vertretern der zuständigen Abteilungen bearbeitet, wobei aufgrund
teilweiser komplexer Anhängigkeiten in 2007 noch nicht alle Fälle abschließend bearbeitet werden konnten. 70% der Meldungen in der Kategorie "höchste Dringlichkeit" wurden mit Umsetzung konkreter Maßnahmen vollständig, der Rest zumindest teilweise erledigt. Für rund 10% und 20% der Sachverhalte in den anderen Kategorien wurden Lösungen gefunden. Dabei reichte das Spektrum der Anpassungen von einfachen Prozeßoptimierungen über die Ersatz- und Erstbeschaffung von Material bis zu
komplexen baulichen Veränderungen.
Die bisherige Auswertung zeigt dabei, dass bei einer suffizienten Umsetzung trotz der veränderten Rahmenbedingungen keine Zunahme der Patientenschäden zu verzeichnen ist, wie es vielleicht ohne dieses Meldesystem denkbar gewesen wäre.
Für die Zukunft wird erwartet, mit diesem erprobten Instrument selbst eine potentielle Gefährdung für Patienten immer weiter zurückdrängen zu können.
Norbert Vienhues
Sprecher des USQM Lubinus