Der Plattfuß - Ein globales Problem
Die fußchirurgische Abteilung des Lubinus-Clinicums deckt routinemäßig das gesamte Spektrum der Vor- und Rückfußchirurgie ab. Bezüglich spezieller fußchirurgischer Fragestellungen stehen wir im wissenschaftlichen Austausch mit verschiedenen Zentren, wie z.B. dem "The Podiatry Institute" in Atlanta, einem der größten fußchirurgischen Zentren der USA. Im vergangenen Jahr hospitierte Dr. Thomas Bock dort für einige Wochen in der Abteilung von Dr. Alan Banks, der selbst ein führendes Mitglied der "American Podiatric Medical Association" ist.
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Abb.1: Das Team der Lubinus Fußchirurgie
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In den USA sind die unten genannten Verfahren zur Korrektur von Plattfüßen inzwischen Standardeingriffe nach Ausschöpfung der konservativen Möglichkeiten. Es wird vermutet, dass u.a. wegen des massiven Übergewichts von Teilen der Bevölkerung die "Plattfußproblematik" in den USA schon länger und häufiger als in Europa auftritt.
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Abb.2: Extremer Knick- / Senkfuß
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Aber auch in unseren Sprechstunden nimmt die Zahl der nicht übergewichtigen Patienten mit schmerzenden Knick-/Senkfüßen zu, so dass immer häufiger der Wunsch nach einer operativen Korrektur aufkommt. Nicht zuletzt dank des regen Austausches mit dem "The Podiatry Institute" können wir unseren Patienten auch auf diesem Gebiet eine Beratung bzw. Behandlung nach dem aktuellsten Stand der Wissenschaft bieten.
Knick- / Senkfüße sind eine vermutlich zivilisationsbedingte Fußschwäche. Die Fußmuskulatur erschlafft z.B. durch Fehl- und Überbelastung und dadurch, dass wir meist auf ebenen harten Böden laufen und unsere Muskeln nicht mehr trainieren. Die ideale Fußform ist jedoch nicht genau definierbar. Viele Menschen, deren Fußgewölbe von der Norm abweicht, z. B. mit einer Abflachung des Längsgewölbes (Plattfuß), haben ein Leben lang keinerlei Beschwerden.
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Abb.3: Schematische Darstellung Evans-Operation
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Beim klassischen Knickfuß ist das untere Sprunggelenk ungenügend durch die umgebenden Bänder und Muskeln gestützt. Dadurch knickt es nach innen und die Ferse nach außen.
Oft tritt diese Fehlstellung zusammen mit dem Senk- oder Plattfuß auf. Beim Senkfuß ist das Längsgewölbe an der Innenseite des Fußes abgeflacht, ursächlich kommen Muskel- oder Bindegewebeschwäche, Übergewicht und ungeeignetes Schuhwerk infrage.
Die Behandlung erfolgt in einfachen Fällen konservativ durch Fußgymnastik und geeignetes Schuhwerk oder bei stärkerer Ausprägung durch Einlagen, Schienen oder orthopädische Schuhe. Nur in schweren Fällen sind operative Maßnahmen erforderlich. Bei massiven Beschwerden von Kindern legen wir die Altersgrenze zur Operation bei ca. 12 Jahren.
Im
Kindes- und Jugendalter versucht man dabei, die korrekte Statik wieder herzustellen. Dies erreicht man z.B. durch eine Verlängerung der äußeren Säule des Fußes, wie sie bei der sogenannten "Evans-OP" (Abbildung 3) vorgenommen wird. Dabei wird ein Knochenkeil, z.B. entnommen aus dem
Beckenkamm, seitlich in das Fersenbein eingesetzt.
Zum Wiederherstellen der Gelenkstabilität, der Muskelfunktionen (Funktion des M. tibialis posterior) und der Höhe des Fußgewölbes kann ein weiterer OP Schritt notwendig sein: Bei der sogenannten "Cotton-OP" (Abbildung 4) wird ein Knochenkeil in das innere Keilbein, einen der Fußwurzelknochen, eingesetzt.
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Abb.4: Röntgenaufnahme vor (a) der Operation und nach (b) der Cotton-Operation
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In vielen Fällen liegt außerdem eine Verkürzung der Wadenmuskulatur vor; diese kann über einen kleinen Schnitt im Bereich der Wade verlängert werden.
Nach der Operation wird ein leichter Kunststoffgips für 6 Wochen angelegt, damit Knochen und Muskulatur heilen können. Danach kann normales Schuhwerk, evtl. unterstützt durch Einlagen, getragen werden. Bis zur Sportfähigkeit vergehen 12 Wochen. Der Heilungsprozess wird durch regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen und Röntgenkontrollen dokumentiert
Bei
Erwachsenen wird die Statik üblicherweise durch ein anderes Operationsverfahren wieder hergestellt. Dabei wird durch eine Verschiebung des hinteren Fersenanteils nach innen eine Aufrichtung des Fußgewölbes erreicht (Abbildung 5). Um diese Aufrichtung zu unterstützen, kann man zusätzlich Muskelansätze am Fußskelett umsetzen, um deren Zug positiv zu verändern. Auch hier schließt sich eine mehrwöchige Nachbehandlung im Gips an.
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Abb.5 a/b: Verschiebung des Fersenbeines
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Falls es zusätzlich zur Fehlstellung schon zu einem schmerzhaften Verschleiß (Arthrose) im unteren Sprunggelenk und/ oder der angrenzenden Gelenke gekommen ist, kann mit einer Versteifungsoperation geholfen werden (Abbildung 6).
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Abb.6: Versteifung des Unteren Sprunggelenkes
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Ziel dieser Operationstechnik ist, die schmerzhafte Bewegung in verschlissenen Gelenken durch ein Verblocken benachbarter Knochen zu reduzieren. Obwohl durch die Versteifung Gelenkflächen ausgeschaltet werden, ist anschließend ein weitgehend normales und vor allem schmerzfreies Gehen möglich.
Immerhin besteht ein Fuß insgesamt aus zahlreichen Gelenken, so dass die Versteifung eines einzelnen Gelenks nur geringen Einfluss auf die Gesamtbeweglichkeit des Fußes hat. Auch nach dieser Operation wird ein Gips für mehrere Wochen angelegt, um das knöcherne Durchwachsen sicherzustellen.
Das Ziel all dieser Operationen ist die schmerzfreie Belastung des Fußes im Normalschuh. Der Patient ist ca. 3 Monate nach der Operation wieder arbeits- und sportfähig.
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Abb. 7: Dr. Thomas Fischer, Leiter Abteilung für Fußchirurgie
Weitere Informationen zur Fußchirurgie finden Sie auf unserer Homepage, Fachbereich Fußchirurgie oder der der Gesellschaft für Fußchirurgie www.gffc.de.
Sekretariat: Frau Guthmann / Frau Geile, Tel.: 0431-388-205
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Kieler Nachrichten - Supplement Gesundheitswesen vom 30. Januar 2009
(Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten vom 02. Februar 2009)