Lubinus informiert:
Typische Sportverletzungen beim Fußball - Prophylaxe, Behandlung, Rehabilitation, Teil 1
 |
Dr. med. Alexander Scholz
Oberarzt, Abteilung Unfall- und arthroskopische Chirurgie, Sporttraumatologie |
Fußball ist ein dynamischer Mannschaftssport, der aus sportmedizinischer Sicht als Kontaktsportart eine hohe Verletzungsgefahr birgt. Verantwortlich hierfür ist, dass Fußball eine Temposportart ist mit vielen Bewegungswechseln und immer wiederkehrenden kurzfristigen Spitzenbelastungen. Es wird mit hoher emotionaler Hingabe gespielt, im Wesentlichen ohne Protektoren.
Der Körper ist wechselnden Spielbodenbeschaffenheiten und unterschiedlichen Witterungsbedingungen ausgesetzt. Fußball wird in sehr unterschiedlichen Niveaus als Leistungssport, Vorbereitungssport, Betriebssport und Schulsport betrieben mit entsprechend variierenden körperlichen und koordinativen Voraussetzungen. Neben akuten Verletzungen zeigen sich zahlreiche chronische Verletzungen, die zur Behandlung und Spielpause, manchmal auch zum Karriereende führen.
Im sportmedizinischen Vordergrund stehen beim Fußball Verletzungen der unteren Extremitäten, besonders des Sprunggelenkes und der Kniegelenke, bei Jugendlichen auch zunehmend die Kopfverletzungen. Die Prognose von Sportverletzungen im Fußball wird bestimmt durch die korrekte Diagnose, einer eventuellen Spielpause mit gezielter Therapie, sowie im weiteren Verlauf die Rehabilitation und der sportspezifische Aufbau, um Kraft und Koordination für die Wiederaufnahme des Sports zu fördern.
Spezielle Verletzungsmuster beim Fußball, Therapien, Rehabilitation und Prophylaxe:
Kopfverletzungen sind beim Fußball nicht sehr häufig. Im Rahmen von Zweikämpfen kann es jedoch beim gegnerischen Kopfkontakt oder auch Schlägen mit dem Ellbogen zu Platzwunden kommen, wie auch Nasenbein- oder Jochbeinfrakturen. Akute Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule sind ebenfalls eher selten und meist banal. Jedoch können degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule durch immer wiederkehrende forcierte Kopfbälle auftreten. Die Akutbehandlung bei Kopfverletzungen liegt in der Wund- bzw. Bruchversorgung.

Der rehabilitative Aufwand ist in der Regel eher gering, sollte jedoch erst nach Ausheilung der Verletzung stattfinden. Auffällig ist zudem, dass besonders Kinder und Jugendliche eine deutlich höhere Verletzungswahrscheinlichkeit des Kopfes aufweisen, als Fußballer im Erwachsenenalter.
Verletzungen im Bereich der Arme treten durch forcierte Stürze auf den ausgestreckten oder angewinkelten Arm auf. Relativ typische Verletzungsmuster sind Schultergelenkluxationen, Schultereckgelenksprengungen und Schlüsselbeinbrüche. Durch Sturz auf das Handgelenk treten Speichenbrüche auf, durch Sturz auf den Unterarm oder einen direkten Tritt Unterarmbrüche. Vorkommende, aber doch seltene Verletzungen beim Torwart sind Kahnbeinbrüche durch das Halten eines forcierten Balles mit flacher Hand. Die Versorgung von Verletzungen der Arme hängt von der Verletzungsschwere ab. Ausrenkungen müssen zügig ärztlich eingerenkt werden, Brüche ruhig gestellt und eventuell verschobene Brüche operativ stabilisiert werden. Bei schwereren Verletzungen ist eine Spielpause obligat, um eine Heilung zu gewährleisten, da ein funktionell schlecht einsetzbarer, ggf. noch schmerzhafter Arm die Gesamtkoordination beim Fußball deutlich stört.
 |
Verletzungen des
Waden-Muskels oder
der Achillessehne.
|
Am häufigsten kommen beim Fußball Verletzungen der Beine vor, da es sich um einen intensiven Laufsport handelt mit schnellen Richtungswechseln auf zum Teil unebenen Boden. Gegnereinwirkungen können Stürze wie auch Verdrehungen der Beine provozieren. Die Stollen wirken am Boden fixierend mit Verstärkung der Rotationskräfte. Ca. ein Drittel der Verletzungen sind akuttraumatische Verletzungen der Beine, jedoch auch ein Viertel chronische Überlastungsverletzungen.
Muskuläre - wie auch Sehnenverletzungen finden sich typischerweise an der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur, welche beim Fußball häufig verkürzt ist, und bei schnellen Sprints, wobei Zerrungen der Muskulatur auftreten können mit plötzlich stechendem Schmerz und einer Art Krampfgefühl. In Akutphasen sollte hier das PECH-Schema eingehalten werden mit Pause, Eis, Kompression und Hochlagerung. Muskuläre Verletzungen treten im Bereich der Adaptoren auf mit Zerrungsmechanismen besonders Leistender durch ein forciertes seitliches Abspreizen und zudem im Bereich der Oberschenkelstreckmuskulatur im Rahmen der Schussbewegung.
Muskelverletzungen fallen durch plötzlichen Schmerz und deutliche Funktionseinschränkungen auf. Die Diagnose ist durch eine gezielte Untersuchung und ggf. Ultraschall zu sichern und entsprechend der Verletzungsschwere eine Sportpause zu planen mit schrittweisem muskulärrehabilitativen Aufbau. Nach Abklingen der Akutphase stehen hier aktive Muskelübungen außerhalb der Überlastungsbereiche sowie angepasste aktive und passive Dehnungen im Vordergrund, um schrittweise die Muskulatur zu stärken und die Funktion zu verbessern. Häufig sind Spielpausen von drei bis fünf Wochen notwendig.
Fortsetzung in der Novemberausgabe des SPORTforums.
Dr. Alexander Scholz, Oberarzt
Abteilung Unfall- und arthroskopische Chirurgie, Sporttraumatologie
SPORTforum Nr. 50, Oktober 2008
(Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Landessportverbandes Schleswig-Holstein e.V.)